{"id":3949,"date":"2017-11-13T13:29:11","date_gmt":"2017-11-13T13:29:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fictionandphotographs.de\/wordpress\/?page_id=3949"},"modified":"2018-01-16T13:12:07","modified_gmt":"2018-01-16T13:12:07","slug":"tauchgang","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.fictionandphotographs.de\/wordpress\/fiction\/tauchgang\/","title":{"rendered":"Tauchgang (Textauszug)"},"content":{"rendered":"<p>Die Zukunft begann schon am n\u00e4chsten Morgen. Von der anderen Seite des Willeschen Hauses schallerte ab sieben ein Presslufthammer her\u00fcber. Eine Stunde sp\u00e4ter begann der Aushub auf dem Feld mit einem penetranten Rumpeln. Den Bagger hatte Volati noch am Abend ins Dorf karren lassen. Ich hatte gehofft, von der Umgestaltung nichts mitzubekommen. Aber selbst mit abgedichteten Ohren konnte ich den Bodenersch\u00fctterungen nicht entkommen. Ich dr\u00fcckte mich also im Dorf herum, lief die Hauptstra\u00dfe hoch und runter oder starrte in meiner H\u00fctte auf das wei\u00dfe Blatt. Nach drei Tagen h\u00f6rte das Zittern von einer Minute zur anderen auf. Erschrocken lief ich zur Baustelle.<\/p>\n<p>Volati stand auf dem Acker, der Bagger war an den Feldrand gerollt, neben dem k\u00fcnftigen Tauchbecken t\u00fcrmte sich der Aushub.<br \/>\n\u201eIst Kreta schon pleite\u201c, fragte ich. Volati l\u00e4chelte.<br \/>\n\u201eIch wollte Ihre Arbeit nicht l\u00e4nger behindern\u201c, sagte er. Wir standen am Rand der Grube, ein quadratisches Loch, in dem unter der grauen, vertrockneten Erdschicht graue Sedimente frei lagen.<br \/>\n\u201eWaren Sie schon mal auf Kreta\u201c, fragte er unvermittelt. Ich sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eZitronenhaine, ewige Sonne, Drillingsblumen wohin man schaut.\u201c Wir starrten in die Grube.<br \/>\n\u201eWissen Sie, Kreta\u201c, fuhr er fort, \u201edas ist die Wiege allen W\u00fcnschens. Wo Kreta ist, da ist Hoffnung.\u201c<br \/>\n\u201eGreifen Sie da nicht ein bisschen zu hoch?\u201c<br \/>\n\u201eMan kann nie hoch genug hinauswollen\u201c, antwortete er und zwirbelte an seinem Tuch.<br \/>\n\u201eWie sind Sie eigentlich auf Suhtleben gekommen\u201c, fragte ich. Volati stie\u00df mit der Turnschuhspitze in die Erde, Br\u00f6ckchen flogen hinab.<br \/>\n\u201eSehen Sie? Nichts. Tot. Kein Grundwasser. Nicht mal eine Pf\u00fctze. Ohne k\u00fcnstliche Bew\u00e4sserung l\u00e4uft hier nichts mehr. Bald wird in Suhtleben nichts Verwertbares mehr wachsen. Deshalb leiten wir das Wasser aus dem Becken auf die \u00c4cker, Sie werden sehen, wie es hier wieder bl\u00fchen wird.\u201c Ich schaute \u00fcber den Acker und sah nichts, als eine weite, staubige Fl\u00e4che. Volati blinzelte in die Sonne.<\/p>\n<p>Das erste Geb\u00e4ude, das in die Grube fuhr, war Gleimckes Wiesenscheuer. Die Bauarbeiter hatten den Holzschuppen zerlegt, Volati gab ihnen Anweisung, wie daraus kretische Baukunst werden sollte. Gleimcke und die anderen Bauern priesen sein Genie, tats\u00e4chlich kommandierte er nur, wo Gips dran sollte. Den Leuten kam alles kretisch vor, was nicht aussah wie hier.<\/p>\n<p>Als Holzw\u00e4nde und Dach verputzt waren, lie\u00df der Kran die Einzelteile hinab. Unten gipsten die Bauarbeiter die N\u00e4hte zusammen und strichen die Fensterrahmen blau. Vor das Holztor zementierten sie Papp-Amphoren, das Ganze wurde mit einer wasserbest\u00e4ndigen Kunststoffschicht f\u00fcr die Ewigkeit pr\u00e4pariert.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zukunft begann schon am n\u00e4chsten Morgen. Von der anderen Seite des Willeschen Hauses schallerte ab sieben ein Presslufthammer her\u00fcber. Eine Stunde sp\u00e4ter begann der Aushub auf dem Feld mit einem penetranten Rumpeln. 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